Reli meets Physik – Was ist „Zeit“?
„Was ist Zeit?“ Dieser spannenden Frage sind wir aus dem Ev. Religionskurs der Jahrgangsstufe 2 von Herrn Schäfer auf eigenen Wunsch im Rahmen der Unterrichtseinheit „Wirklichkeit“ nachgegangen. Dabei wollten wir sowohl philosophische und theologische als auch physikalische Aspekte diskutieren. Besonders interessant wurden diese Unterrichtsstunden für uns, weil Herr Bächle als Physiklehrer in einem Block zu Besuch kam und so ein echter Austausch zwischen den Fächern stattfinden konnte.
Beim Thema „Zeit“ stellte sich für uns das Problem, dass sie an sich weder direkt fassbar noch eindeutig ist. Denn Zeit ist sowohl philosophisch und theologisch als auch physikalisch vieldimensional, wobei die Aspekte teilweise komplementär sind.
Zunächst kam es aus philosophischer Sicht zu einer Differenzierung der Zeit in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Dabei wurde uns klar, dass zwar immer Gegenwart ist, wir diese an sich aber nicht fassen können, weil sie im nächsten Moment schon wieder vergangen ist. Zugleich können wir aber durch den Modus der Erinnerung bzw. der Erwartung die Vergangenheit bzw. Zukunft vergegenwärtigen. Bei der Charakterisierung der Zeit haben wir festgehalten, dass sie subjektiv, relativ und konstant ist. Alle drei Merkmale ergeben Sinn, können jedoch nicht gleichzeitig wahrgenommen werden, da sie sich widersprechen.
Diese Widersprüchlichkeit der Zeit zeigte sich uns auch aus physikalischer Perspektive. Es ist unstrittig, dass wir Menschen Zeit als Konstante auf der Erde erleben. Nach der Formel c = s/t muss Zeit aber auch variabel und relativ sein: Die Lichtgeschwindigkeit c ist immer konstant, die Strecke s nicht, ergo kann die Zeit t ebenfalls nicht konstant sein. So haben wir Zeit auch im Kontext der Relativitätstheorie betrachtet.
Mit den neugewonnenen Erkenntnissen entschlossen wir uns dazu, das Thema noch zu vertiefen und uns mit der Ewigkeit zu beschäftigen. Ewigkeit kann physikalisch durchaus bejaht werden, wobei es zwei Denkweisen dazu gibt: Das Universum dehnt sich immer weiter und unaufhörlich aus. Oder das Universum dehnt sich bis zu einem bestimmten Punkt immer weiter aus, zieht sich dann aber wieder zusammen, bis es zu einem neuen Urknall kommt. Auch im Zusammenhang mit der Viele-Welten-Theorie und dem Gedankenexperiment von „Schrödingers Katze“ ist vom ewigen Leben in der Physik die Rede: Demzufolge gibt es unendlich viele Parallelwelten und somit einen Strang an Welten, in dem man unendlich lange lebt. Allerdings ist der Begriff des ewigen Lebens meist religiös konnotiert und zwar in der fortwährenden, unmittelbaren Beziehung zu Gott, dem Schöpfer, der sich außerhalb von Raum und Zeit befindet.
Nach all diesen Überlegungen haben wir gemerkt, dass die Frage „Was ist Zeit?“ nicht eindeutig beantwortet werden kann. Für viele von uns ist die Quintessenz aus der Diskussion aber, dass man Zeit und ewiges Leben mit der philosophischen Denkrichtung des Neuen Realismus verstehen kann. Wir können Zeit nicht auf einmal und komplett mit seinen vielen Merkmalen wahrnehmen, aber wir können sie in Bereichen wie beispielsweise der Physik, der Biologie, Philosophie oder Theologie fassen. All diese Bereiche sind wirklich und man kann die jeweiligen Aspekte klar einordnen, muss aber den Standpunkt wechseln, um sie alle nachzuvollziehen. Mit dieser Erkenntnis fand unsere kleine Unterrichtseinheit zur Zeit ein gelungenes Ende.
Ina Eisenmann, Jg2